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Brandschutz
Für alle Fälle gerüstet

Schwere Brände sind glücklicherweise selten. Bei vielen kleineren Brandereignissen bleibt es meist bei einem geringen Sachschaden. Diese kleineren Brandereignisse zeigen aber, dass die Gefahr eines Brandes nicht unterschätzt werden darf. Kommt es zu einem größeren Brand, sind nicht nur Gesundheit und Leben der Mitarbeiter gefährdet. Für vier von fünf Betrieben, in denen es einen größeren Brand gab, bedeuteten die Schäden das wirtschaftliche Aus. Das Pressehaus Stuttgart hat sich mit dem möglichen Ernstfall auseinandergesetzt und einen Notfallplan erarbeitet.

Sicherheitskonzept für Personen und Sachgüter
„Im Pressehaus sind ca. 1.300 Mitarbeiter in Büros und in der Produktion beschäftigt, die im Ernstfall schnellstmöglich in Sicherheit gebracht werden müssen. Deshalb haben wir eine Beauftragtenorganisation aufgebaut und die Beauftragten speziell ausgebildet, damit im Notfall alle geplanten Schritte zügig und geordnet ablaufen. Alle Mitarbeiter sind über das Verhalten im Brandfall informiert. Sollte es tatsächlich zu einem größeren Brand kommen, müssen nicht nur Personen und Sachgüter geschützt und gerettet werden, sondern es muss auch dafür gesorgt werden, dass betroffene Arbeitsbereiche in kürzester Zeit wieder einsatzbereit sind. Aus diesem Grund haben die Verantwortlichen eine Risikoanalyse mit verschiedenen Szenarien, der Wahrscheinlichkeit des Eintritts sowie des potenziellen Ausmaßes des Ereignisses für jedes der 15 Unternehmen im Pressehaus durchgeführt“, erklärt Jürgen Schönweitz, Fachkraft für Arbeitssicherheit im Pressehaus Stuttgart. Aus dieser Risikoanalyse wurde ein Sicherheitskonzept für das Pressehaus Stuttgart erstellt. Dieses Sicherheitskonzept wurde in zwei Kapitel aufgeteilt. Im Kapitel „Notfällen vorbeugen“ wurden der bauliche, anlagentechnische, betriebliche und organisatorische Brandschutz aufgenommen und entsprechende Maßnahmen festgelegt. Im Kapitel „Notfälle behandeln“ werden die Alarmierungskette, Notrufnummern der externen Hilfskräfte sowie Alarm- und Eskalationspläne vorgehalten.

Baulicher Brandschutz: Bei Umbau- und Reparaturarbeiten beachten
Der bauliche Brandschutz muss berücksichtigt werden, wenn einzelne Gebäudeteile anders genutzt werden. Aber auch beim Umbauen, Reparieren oder Renovieren ist der bauliche Brandschutz zu beachten. Das gilt z.B., wenn neue Leitungen von Brandabschnitt zu Brandabschnitt verlegt werden. Dort werden häufig Mauerdurchbrüche nicht richtig abgeschottet oder vorhandene Schottsysteme nicht verschlossen. Dadurch kann im Ernstfall die Wirkung eines Brandabschnittes aufgehoben werden. Werden neue Maschinen aufgestellt oder Maschinen umgesetzt, müssen auch Flucht- und Rettungswege für die Maschinenbediener betrachtet werden. Zusätzliche Maschinen dürfen die vorhandenen Flucht- und Rettungswege nicht einengen oder Notausgänge blockieren.

Besondere Brandgefahren im Betrieb
In jeder Druckerei und in jedem Papier verarbeitenden Betrieb gibt es besondere Brandgefahren, denn Papier ist fast überall in größeren Mengen zu finden und häufig werden brennbare Flüssigkeiten eingesetzt, z.B. bei Reinigungsarbeiten. Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung wurden im Pressehaus Stuttgart alle potenziellen Zündquellen betrachtet. Dazu gehören u. a.

  • elektrische Geräte und Anlagen, auch private Elektrogeräte
  • Batterieladegeräte
  • der Umgang mit brennbaren Flüssigkeiten
  • das Lagern brennbarer Flüssigkeiten
  • Maschinen, die Hitze entwickeln, z.B. Folienschweiß- und Schrumpfanlagen
  • feuergefährliche Arbeiten wie Schweißen oder Schleifen.

Die resultierenden Verhaltensregeln wurden in einer Broschüre „Sicherheitsregeln im Pressehaus Stuttgart“ niedergeschrieben und den Mitarbeitern im Pressehaus ausgehändigt. Zudem wurden die benötigten Betriebsanweisungen, z.B. für den Umgang mit brennbaren Flüssigkeiten, Batterieladegeräten usw. erstellt und gut sichtbar für alle Mitarbeiter in den betroffenen Bereichen ausgehängt. Wichtig war auch, zu planen, wie es nach einem Brand weitergeht. Mit den Verantwortlichen wurden Wiederanlaufzeiten festgelegt und in vier Klassen eingeteilt. Die Wiederanlaufklasse (WAK) I soll den vollen Geschäftsbetrieb nach 8 Stunden, die WAK II nach 24 Stunden, die WAK III nach 7 Tagen und die WAK IV nach 14 Tagen ermöglichen. Dazu wurden unterschiedliche Notfall-Teams (Technik, IT, Telekommunikation, Beschaffung) eingeteilt und deren Aufgaben festgeschrieben.

Brandschutz organisieren
Kommt es zu einem Brand, muss jeder, der sich im Gebäude aufhält, genau wissen, was zu tun ist. Im Pressehaus Stuttgart wird bei den Aushängen auch berücksichtigt, dass sich z.B. Besucher nicht auskennen und andere Informationen benötigen als die eigenen Mitarbeiter, die die Wege im Betrieb kennen und regelmäßig an Evakuierungs- und Löschübungen teilnehmen. Die Erfahrung hat auch gezeigt, dass durch Mitarbeiter von Fremdfirmen dreimal häufiger Brände verursacht werden als durch eigene Mitarbeiter. In einer „Betriebsordnung für Fremdfirmen“ wurden daher Verhaltensregeln und Schutzmaßnahmen festgelegt. Damit bei einem Brand möglichst schnell reagiert werden kann, hat das Pressehaus Stuttgart den Ersthelfern sowie den Sicherheits- und Etagenbeauftragten konkrete Aufgaben zugewiesen. Zur Unterstützung dieser Personen wurden zusätzlich Räumungshelfer benannt. Wer besondere Aufgaben übernommen hat, wurde speziell unterwiesen und ausgebildet. Für die Beauftragten – Ersthelfer, Sicherheits- und Etagenbeauftragte, Räumungshelfer, Mitarbeiter am Empfang – wurden Notfallordner angefertigt, die auf vorbeugende Aufgaben hinweisen bzw. die Aufgaben im Ernstfall beschreiben. Dieser Notfallordner enthält klare Anordnungen, welche Maßnahmen bei einem Notfall zu ergreifen sind. Es wurde auch verbindlich geregelt, dass im Brandfall die Sicherheits- und Etagenbeauftragten gegenüber jedem Mitarbeiter und Besucher weisungsbefugt sind.

Rette sich, wer kann!
Droht Gefahr, muss sich jeder schnell in Sicherheit bringen können bzw. aus gefährlichen Situationen befreit werden können. Am Arbeitsplatz muss der Unternehmer entsprechende Vorkehrungen treffen. Mit Hilfe einer Checkliste lässt sich prüfen, ob an alles Wesentliche gedacht wurde.

 

 

 

 
 
"tag für tag"-Artikel
(PDF 229 kB)