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Heben und Tragen
Belastungen für den Rücken
Ursachen für Belastungen des Rückens können
sein:
- Häufig werden Papierstapel aus Bodennähe gehoben
und auch dort wieder abgelegt. Ungünstige Hebetechniken
wie "aus dem Rücken heben" werden oft angewandt.
- Beim Heben des Papierstapels wird gleichzeitig eine Drehbewegung
des Oberkörpers ausgeführt.
- Einlegetätigkeiten müssen oft mit weit ausgestreckten
Armen verrichtet werden, da die Maschinen nicht anders bestückt
werden können. Je weiter eine Last vom Körper
entfernt getragen wird, desto größer ist die
Belastung für die Wirbelsäule.
Erwiesen ist, dass häufiges Heben, Tragen und Umsetzen
von Lasten die Entstehung von Rückenproblemen begünstigt,
wenn eine der drei genannten Ursachen vorliegt. Gründe
für die Entstehung von Rückenbeschwerden durch das
Bewegen von Lasten sind in der Regel Fehlbelastungen der Bandscheiben.
Belastungen der Bandscheiben beim Heben und Tragen
Die Bandscheiben, die zwischen den einzelnen Wirbelkörpern
liegen, bestehen aus einem Faserring und einem Knorpelkern.
Durch die wechselnde Anordnung von "festen" (Knochen)
und beweglichen Teilen (Bandscheiben) erhält die Wirbelsäule
ihre Beweglichkeit.
Beim Anheben eines 50-kg-Gewichtes mit rundem Rücken
lasten auf den Bandscheiben der Lendenwirbelsäule etwa
700 kg. Nicht weiter schlimm für eine gesunde Bandscheibe.
Ist die Bandscheibe jedoch durch den Alterungsprozess oder
häufige einseitige Belastung vorbelastet oder vorgeschädigt,
können ernsthafte Schäden die Folge sein.
Auf häufige und einseitige Belastungen reagiert die
Rumpfmuskulatur mit Verkrampfungen und Verspannungen. Dies
verstärkt die Druckbelastungen auf die Bandscheiben und
beansprucht die Wirbelsäule.
Während des Hebevorgangs mit rundem Rücken wird
der Druck, der auf den Bandscheiben lastet, ungleich verteilt.
Die Bandscheiben werden im vorderen Bereich mehr belastet
und dadurch keilförmig verformt; der zuvor in der Mitte
liegende Bandscheibenkern wird nach hinten in Richtung Rückenmarkskanal
geschoben. Bei vorgeschädigter Bandscheibe kann der Bandscheibenkern
auf Nerven im Rückenmarkskanal drücken. Reißt
der Faserring, kommt es zu einem Bandscheibenvorfall.
Rückengerechtes Heben und Tragen
Häufig werden Lasten unter ungünstigen Randbedingungen
bewegt. Besonders wichtig ist deshalb das rückengerechte
Verhalten am Arbeitsplatz.
Beim Heben ist auf eine belastungsarme Ausführung zu
achten, d.h. Vermeiden von Rundrücken bzw. Hohlkreuz,
besonders aber auch von Verdrehungen der Wirbelsäule.
Auf eine belastungsarme Ausführung während des Absetzens
bzw. Bückens sollte ebenfalls geachtet werden.
Beim Heben schwerer Lasten sollten Sie folgende Kriterien
berücksichtigen:
- Möglichst nah und frontal zum Gegenstand stellen.
- Füße mindestens hüftbreit aufsetzen
- Auf vollständigen Fuß-Boden-Kontakt achten
(d.h. auch die Ferse berührt den Boden).
- Bauchmuskeln anspannen, jedoch nicht die Luft anhalten.
- Aus den Beinen heben (Beine beugen; Kniewinkel nicht unter
90°).
- Rücken während des Arbeitsvorgangs gerade halten.
- Last nicht ruckartig bewegen.
- Verdrehungen der Wirbelsäule vermeiden.
Da die Beanspruchung der Wirbelsäule von einer Vielzahl
von Einflussfaktoren abhängt, kann die Frage nach den
zulässigen Lastgewichten nur schwer beantwortet werden.
Neben dem Lastgewicht und der Körperhaltung ist die
Häufigkeit der Hebe- und Tragevorgänge pro Arbeitsschicht
von besonderer Bedeutung.
Bei kleinen Lastgewichten von 1 bis 2 kg und optimalen Arbeitsbedingungen
können einige hundert Hebevorgänge pro Schicht unkritisch
sein.
Große Lasten über 25 kg stellen dagegen auch für
Männer bei gelegentlichen Hebe- und Tragevorgängen
eine hohe Belastung und Beanspruchung dar.
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Frauen |
Männer |
| 18 - 39 Jahre |
15 kg |
25 kg |
| ab 40 Jahre |
10 kg |
20 kg |
Im Allgemeinen werden Lasten von 10 kg für
Männer und 5 kg für Frauen als unkritisch angesehen.
Werdende Mütter dürfen nach dem Mutterschutzgesetz
Arbeiten nicht durchführen, bei denen
- regelmäßig Lasten von mehr als 5 kg
oder
- gelegentlich Lasten von mehr als 10 kg
ohne mechanische Hilfsmittel von Hand gehoben, bewegt oder
befördert werden müssen.
Bei der Abschätzung des Gesundheitsrisikos
bei häufigen Hebevorgängen von Lasten gelten die
Tabellenwerte nur als Anhaltswerte.
Zur Beurteilung des Gesundheitsrisikos an Anlege- und Abstapelarbeitsplätzen
hat sich die Leitmerkmalmethode bewährt. Mit ihr lässt
sich ermitteln, ob technische Hilfen zur Verfügung gestellt
werden müssen. Nähere Informationen enthält
das Informationsblatt "Umsetzen, Absetzen, Anlegen in
der Weiterverarbeitung - Leitmerkmalmethode" der Berufsgenossenschaft.
Hebe- und Stapelhilfen
Zur Verbesserung der Situation an den Anlege- und Abstapel-Arbeitsplätzen
bietet sich der Einsatz von Hebe- und Stapelhilfen an. Damit
das richtige Gerät beschafft werden kann, muss vorher
geprüft werden, ob das Gerät nur stationär
als Palettierhilfe oder auch als Transportmittel eingesetzt
werden soll.
Automatische Höhenanpassung:
Viele Geräte können auch mit automatischer Höhenanpassung
ausgestattet bzw. nachgerüstet werden. Dies gewährleistet,
dass die richtige Arbeitshöhe während des Be- und
Entladevorganges der Paletten automatisch angepasst wird.
Bei der Neuanschaffung von Maschinen sollte
darauf geachtet werden, dass diese ergonomisch günstig
gestaltet sind. Dies gilt insbesondere für die ergonomisch
richtige Arbeitshöhe (z.B. durch vom Hersteller mitgelieferte
Podeste). Außerdem muss die Maschinenkonstruktion gewährleisten,
dass Einlegearbeiten in Körpernähe ausführbar
sind und Fehlhaltungen durch fehlenden Freiraum für die
Beine vermieden werden.
Tipps:
- Hebe- und Stapelhilfen einsetzen, um Lasten nicht aus
Bodennähe heben zu müssen.
- Das Material bzw. die Paletten möglichst so aufstellen,
dass lange Tragewege sowie Drehbewegungen des Oberkörpers
beim Heben vermieden werden.
- Eine Hebetechnik wählen, die reines Heben aus dem
Rücken vermeidet und die Kraft der Beine beim Heben
der Lasten nutzt.
- Mit Mitarbeitern über die speziellen Schwierigkeiten
am Arbeitsplatz und Verbesserungsmöglichkeiten sprechen.
Die Last
mit der Last
Durch Probleme mit dem Muskel-Skelett-System und die damit
einhergehenden Erkrankungen von Mitarbeitern fallen jährlich
134 Millionen Arbeitstage aus. Die daraus resultierenden Kosten
durch Produktionsausfälle betragen mehr als 12 Milliarden
Euro. Betriebe haben also durch gut gestaltete Arbeitsplätze
einen großen finanziellen Nutzen. Wer als Betroffener
selbst einmal mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte
oder noch hat, weiß, wie wichtig ergonomisch gut gestaltete
Arbeitsplätze sind.
Ziehen
und Schieben von Lasten – Belastungen ermitteln und
reduzieren
In der Produktion werden große Mengen an Material gezogen
oder geschoben. Transporthilfen wie Karren, Roller und Handhubwagen
erleichtern das Ziehen oder Schieben von schweren Gegenständen.
Ohne sie wären schwere Gegenstände meist nicht zu
bewegen. Auch Rollenbahnen oder Kugelrolltische erleichtern
das Bewegen von Material in Arbeitshöhe.
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